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Ausgebrannt und schlapp, dauermüde, depressiv und mit den Nerven am Ende – immer mehr Menschen in Deutschland leiden am Burnout-Syndrom. Der Krankenstand bei Arbeitnehmern ist während der letzten Jahre dramatisch angestiegen – und ein Ende ist derzeit nicht abzusehen, eher im Gegenteil. Was vor einiger Zeit noch als Modekrankheit und Drückeberger-Syndrom diffamiert wurde, hat sich zu einer regelrechten Volkskrankheit ausgewachsen. Und Frauen sind davon besonders betroffen. In einer von Konkurrenzkampf geprägten Gesellschaft ist dies eine der Karriere nicht gerade förderliche Entwicklung.

Krankenkassen schlagen schon länger Alarm: Immer mehr Arbeitnehmer bleiben wegen Erschöpfung zu Hause – ganz legal und mit Krankenschein. Mit den schärfer gewordenen Arbeitsbedingungen, dem Konkurrenzdruck im Kollegenkreis und den gewachsenen Anforderungen an die Leistungen im Beruf kommen viele Deutsche nicht mehr klar – die Krankenstände steigen ebenso wie die Kosten für die Ausfälle und die medizinische Versorgung. Die Aussichten auf eine berufliche Karriere hingegen sinken. Wer häufiger wegen der Diagnose Burnout-Syndrom dem Arbeitsplatz fern bleibt, der gerät in der Firma schnell ins Aus und gilt als nicht belastbar. Irgendwann drohen dann sogar die Arbeitslosigkeit und Hartz IV.

Nun ist Erschöpfung natürlich keine Krankheit, sondern Ausdruck einer psychischen und physischen Belastung, der Körper und Seele irgendwann nicht mehr gewachsen sind. Als Alarmsignal wird von Arbeitsmedizinern und Psychologen die Tatsache gewertet, dass die Krankenstände infolge einer Burnout-Diagnose während der letzten Jahre so dramatisch gestiegen sind. Nach einer aktuellen Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) sind derartige Fälle seit 2005 um das Neunfache angestiegen. Rechnet man andere Diagnosen hinzu, so sind Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen innerhalb der letzten 10 Jahre um rund 80 Prozent gestiegen. Experten geben allerdings zu bedenken, dass es auch einen ganz banalen Grund für den Anstieg der Diagnose Burnout-Syndrom gibt: Die etwas nebulöse Bezeichnung für emotionale und psychische Erschöpfung wird bei Krankschreibungen seit ein paar Jahren inflationär verwendet, um dahinter steckende andere Erkrankungen, etwa Alkoholismus, zu ummänteln: So sollen die Betroffenen nicht stigmatisiert werden, um der Karriere nicht zu schaden.

Auffällig ist laut WIdO, dass besonders viele Frauen mittleren Alters vom Burnout-Syndrom betroffen sind, vor allem in pflegerischen und erzieherischen Berufen. Jahrelange Doppelbelastungen durch Familie und Beruf sowie Beeinträchtigungen durch Wechseljahre-Symptome mögen der Grund dafür sein – an den Ursachen wird derzeit noch geforscht. Arbeitsmediziner raten Unternehmern zu einer Verbesserung und Entzerrung der Arbeitsbedingungen und einem konsequent durchgeführten Stressmanagement.