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In kaum einem Land wird so wenig über Geld gesprochen wie in Deutschland. Noch immer gilt es als rüde, den Wert von Geschenken zu ermitteln, oder zu fragen, wie viel das Dinner, zu dem man eingeladen wurde, gekostet hat. Und: Dieses altmodische Tabu spielt auch in den deutschen Büros und Kantinen immer noch eine beeindruckende Rolle.

So sprechen in Deutschland bloß 16 Prozent der deutschen Führungskräfte laut einer StepStone-Befragung offen über ihr Gehalt. Aber zwei Drittel der Deutschen fühlen sich unterbezahlt. Und 43 Prozent der Arbeitnehmer haben noch nie mit ihrem Chef über ihr Gehalt verhandelt. Warum ist das so?

Normalerweise regelt ein Tabu das gesellschaftliche Zusammenleben. Das wohl berühmteste ist das Inzesttabu, das in so gut wie allen Kulturen vorherrscht und dessen Berechtigung wohl niemand leugnen würde. Warum das Thema Geld allerdings Tabuthema ist, darüber kann nur spekuliert werden. Fakt ist, dass es nicht nur für wesentlich mehr Entspannung sorgen würde, wenn man offen über Geld spräche, sondern auch für mehr Gerechtigkeit. Denn über ein ungerechtes Gehalt kann sich nur beschweren, wer weiß, wie sein Kollege in der vergleichbaren Position entlohnt wird.

Ein Grund dafür, dass sich das Gehalt als Tabuthema immer noch hält, kann schon an den Wörtern abgelesen werden: Lohn und Verdienst. Das Gehalt ist auch heutzutage noch eng mit dem Selbstwert einer Person verbunden: Ich „verdiene“, ich bin einen „Lohn“ wert. Das Gehalt ist die Entlohnung für die eigene Arbeitskraft und somit zutiefst persönlich. Kein Wunder, dass so viele Menschen darüber schweigen. Verdienen sie zu wenig, fühlen sie sich minderwertig, verdienen sie zu viel, fühlen sie sich unter Druck gesetzt. Da wählen viele lieber den Weg, sich nicht offen über ihre Entlohnung auszutauschen.

Die Option, im Freundeskreis das Gehalt zu diskutieren, wird ebenfalls extrem selten genutzt in Deutschland. So reden zwar 47% der Deutschen über ihren Job, aber bloß 4 % über Geld. Denn auch im Privatleben kann das offene Reden über Geld für Unstimmigkeiten sorgen: So wächst bei einem Gehaltsgefälle im Freundeskreis schnell der Druck, einladen zu müssen, Neid kommt auf, weniger verdienende Freunde werden aus teuren Aktivitäten automatisch ausgeschlossen. Hier greift ein anderes bekanntes Sprichwort: Beim Geld hört die Freundschaft auf.

Interessant ist, wie sehr sich das Internet eignet, um sich über Tabuthemen auszutauschen. In beeindruckend vielen Foren wird anonym über Gehaltsvorstellungen (neben Geschlechtskrankheiten und Drogenerfahrungen) diskutiert. Hier kann sich durch die Anonymität geschützt möglichst ehrlich ausgetauscht werden. So findet man eine relativ sachliche Diskussion über verschiedene Verdienstmöglichkeiten und auch praktische Beruf Tipps bei gutefrage.net.

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